Pi Radio: Brief an Medienrat

Bild: Pi Radio (Kreis)

Pi Radio hat für Medienratssitzung am 9. November 2010 einen Brief an den Medienrat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) verfasst. Wir äußern darin die Bitte, die Sendezeitenverteilung der 88vier auf Angemessenheit zu überprüfen. Denn Pi Radio hat ein Problem: wir haben zu viele Redaktionen und zu wenig Sendezeit. Bei uns wechseln sich zu Nachtzeiten noch ganze Redaktionen im Vier-Wochen-Rhythmus ab. Ob das gerechtfertigt ist, müssen andere beurteilen. Hier der Brief:

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An die Vorsitzende des Medienrates der MABB
Prof. Dr. Jutta Limbach
mit der Bitte um Weitergabe an den Medienrat der MABB zur Medienratssitzung am 9. November 2010.

Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Limbach, sehr geehrter Medienrat,

Pi Radio sendet seit Mai 2010 auf dem nichtkommerziellen Radioverbund 88vier. Wir wollen uns hiermit noch einmal ausdrücklich bedanken, dass Berlin-Brandenburg mit der 88vier einen Schritt in Richtung nichtkommerzielles Lokalradio unabhängig vom Offenen Kanal gegangen ist.

Nach nunmehr fast fünf Monaten Sendebetrieb bitten wir um folgende Veränderung:

  1. Pi Radio benötigt neben Dienstag und Donnerstag noch mindestens einen dritten Sendetag.
  2. Pi Radio sollte seine Sendetage zwei Stunden eher beginnen, also spätestens 18 Uhr.

Wir sind uns bewusst, dass mehr Sendezeit für Pi Radio im Umkehrschluss weniger Sendezeit für andere Radioveranstalter auf 88vier bedeuten würde. Deshalb bitten wir Sie, nach sachlichen Maßstäben zu prüfen, ob die aktuellen Sendezeiten der unterschiedlichen Radioveranstalter in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen, gemessen an den Sendeversprechen der einzelnen Veranstalter, ihren Inhalten und beteiligten Personen.

Aus diesem Grund haben wir auf nachfolgender Seite ein paar Fakten zusammengefasst, die Ihnen eine Einschätzung Pi Radios erleichtern sollen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Berlin, 25. Oktober 2010
Pi Radio, Glashaus e.V./Radiopiloten

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Wir fordern mehr Sendezeit, da wir von unseren 20 Wochenstunden dienstags und donnerstags ab 20 Uhr effektiv nur 12 Wochenstunden für Live-Betrieb (bis 2 Uhr nachts) nutzen können. Warum wir diese Forderung für gerechtfertigt halten:

1. Die SendemacherInnen Pi Radios

  • Mehr als 150 aktive SendemacherInnen: 34 regelmäßig sendende und 19 unregelmäßig sendende Redaktionen, die im Durchschnitt jeweils aus 3 Personen bestehen.
  • Berliner SendemacherInnen aus 15 verschiedenen Ländern: Polen, Tschechien, Russland, Bulgarien, Niederlande, Frankreich, Spanien, Österreich, Türkei, Großbritannien, Irland, Israel, USA, Argentinien und Deutschland.
  • SendemacherInnen aus den verschiedensten Bereichen: Kunst- und Kulturschaffende, Clubs, Verlage, Zeitschriften, Internetradios- und blogs, Journalisten, Lesebühnen, Autoren, Schauspieler, Studenten, Schüler, Radiointeressierte – einige von ihnen aus folgenden sogenannten Randgruppen: Langzeitarbeitslose, Schulabgänger, Homosexuelle, Immigranten, Obdachlose und Menschen mit Behinderung. Weiterhin arbeitet Pi Radio mit Schulen, Universitäten, Vereinen, Initiativen und kommunalen Einrichtungen zusammen.

2. Die Inhalte Pi Radios

  • Wortmagazine: zu aktuellen Ereignissen in Berlin, Veranstaltungs- und Kinotipps, Kiezkultur, Literatur, Theater, Wissenschaft, (Stadt-) Geschichte, soziale Themen, Radiokunst, Lateinamerikanische Nachrichten, Umweltthemen, Berliner Musikkultur, Internetblogs, Menschen mit Behinderung, Experimentelles etc.
  • Seit Mai 2010 über 150 eingeladene Gäste und mehr als 100 weitere Telefon-Interviewpartner zu Themen aus Unterhaltung, Information, Kunst.
  • Musikmagazine, die insgesamt mehr als 40 verschiedene Musikrichtungen bedienen.
  • Seit Mai 2010 mehr als 30 Berliner Musiker/Bands, die live im Studio spielten.

3. Die Wirkung Pi Radios

  • Obwohl 88vier in Presse/Öffentlichkeit kaum auftaucht, wird über Pi Radio dort regelmäßig berichtet. (Radio Einheit erhielt noch mehr Aufmerksamkeit.)
  • Die Hörerreaktionen sind bis auf wenige Ausnahmen positiv: von 385 Pi-Radio-Sendungen seit Mai 2010 erhielten 160 Sendungen 380 Kommentare.
  • Pi Radio erhält pro Woche mindestens eine neue Sendeanfrage (Tendenz steigend), die das Programm bereichern würde.
  • Musikbestückungen, Themenvorschläge, Veranstaltungshinweise etc. nehmen stark zu.

4. Die Ausrichtung Pi Radios

  • Pi Radio hat mit einem Redaktionsstatut seine Arbeitsweise sowie Möglichkeiten der Beteiligung transparent gemacht.
  • Pi Radio verpflichtet sich durch die Mitgliedschaft im Bundesverband Freier Radios zu Nichtkommerzialität, Zugangsoffenheit, Lokalbezug und Gemeinnützigkeit.
  • Pi Radio arbeitet mit verschiedenen Radios aus Deutschland, Österreich, Schweiz, England, USA, Frankreich etc. zusammen. Weiterhin ist Pi Radio mit diversen Internetseiten/-blogs vernetzt.
  • Pi Radio setzt auf freie Software und steht mit verschiedenen Open Source Communities in Verbindung, z.B. arbeitet es aktiv mit Liquidsoap/Savonet aus Lyon zusammen.

Kommentare

Ich bin insgesamt enttäuscht

Ich bin insgesamt enttäuscht vom 88vier-Programm, weil 1. der Empfang größtenteils miserabel ist und 2. die Programminhalte meistens konfus durcheinander gewürfelt sind. So kann man keine Hörer gewinnen.

MABB-Radio

Gut, dass Ihr Initiative zeigt. Denn vergessen wir eines nicht: die 88vier in ansätzen, aber vor allem ALEX als offener Kanal ist mittlerweile ein Privatradio der Medienanstalt. Die Medienanstalt hat einen eigenen Sender, den sie knallhart nach kommerziellen Gesichtspunkten organisiert, seine Sendungen evaluiert und entsprechend unliebsame Leute abschiebt. Die redaktionelle einmischung der mabb in einen zugangsoffenen Kanal ist schon hart an der Grenze. Dafür sendet der offene Kanal jetzt z.B. einen Querschnitt von Wiens freiem Radio Orange - Leute, Alex ist ein Bürgerfunk - dafür wandert wieder ein Berliner mehr ins Kabelprogramm. Da kann man auch schon mal fragen, warum die Nicht-Alex-Sendeteilnehmer auf 88vier so wenig Sendezeit bekommen. Ist das kreatives Radio aus Berlin, oder wie? Dieses ganze Sendekonzept ist voll von intransparenten Regularien und widersinnigen Vorgaben (diese furchtbaren Jingles - und die, die sie spielen, sind dann wohl die Lieblingsschüler der mabb), so dass man eher von der VERHINDERUNG von Kreativität reden muss. Obwohl, es ist ja allgemein bekannt, dass kreativität gerade dort gefördert wird, wo unterdrückung herrscht - ich glaube aber nicht, dass das das Ansinnen der mabbb war und ist.

Also lasst Euch als Freies Radio von Berlin nicht kleinreden und geht freundlich mit all den ehemaligen Alex-sendemachern um, die bei euch anklopfen.