Pi Radio: Neuausschreibung 88vier

Bild: Antrag Pi Radio

Heute um 12 Uhr endete die Antragsfrist für die zweite Runde 88vier. Pi Radio hat einen Antrag bei der mabb abgegeben. Mal sehen, wer noch dabei ist. Erste Ergebnisse des Medienrates sind nicht vor Ende März zu erwarten.

Neben unserem Verlängerungsantrag haben wir übrigens eine 88vier-Kritik und drei Optimierungsvorschläge mit eingereicht, die wir Euch nicht vorenthalten wollen. Wen's interessiert:

88vier-Kritik und Optimierungsvorschläge

Wir bitten den Medienrat, auf der 88vier einen Community-Radio-Bereich einzurichten von täglich 17 Uhr bis 24 Uhr, den die dort senden wollenden Gruppen eigenständig verwalten können. Auf längere Sicht bitten wir Sie, dafür eine eigene Frequenz zur Verfügung zu stellen.

Bestandsaufnahme und Kritik

Ein anspruchsvolles, hörerorientiertes redaktionelles Arbeiten ist aktuell für uns auf 88vier nur bedingt möglich. Denn: das Gesamtkonzept 88vier verlangt von uns, dass wir uns mit der 88vier identifizieren und eine Partnerschaft mit den uns zugeteilten Programmpartnern eingehen. Wir haben allerdings keinerlei Einflussmöglichkeiten, das Gesamtprogramm zu optimieren, wenn andere Programmpartner ihre Sendeversprechen nicht erfüllen. In der Folge machen uns die Hörer - bewirkt durch das Gesamtkonzept 88vier - für die Unzulänglichkeiten anderer Gruppen mitverantwortlich (obwohl wir eine eigenständige Sendeerlaubnis haben).

Die 88vier wirkt nach außen nicht attraktiv. Das Hörer-Feedback ist im Vergleich zu Veranstaltungsradios wie Herbstradio oder Radio Einheit äußerst gering, was in Anbetracht der hohen Anzahl an Musikrotation und Playlisten ohne Moderation kein Wunder ist. Die schlechte Empfangbarkeit in der Nordhälfte Berlins verstärkt die Attraktivität nicht gerade. Wir können daran leider nichts ändern, da wir die 88vier nicht gemeinsam mit den anderen 88vier-Partnern selbst optimieren dürfen, sondern diese Aufgabe nur einmal im Jahr dem Medienrat (als übergeordnete Programmdirektion) zukommt.

Unsere Bitte: 88vier-Partner, die a) kein Studio finden, b) Nutzer des Offenen Kanals sind oder c) ihre Sendeversprechen nicht erfüllt haben, sollten in den Offenen Kanal integriert werden. Für sie ist eine eigenständige Sendeerlaubnis nicht erforderlich. Andernfalls käme es zu einer Deckungsgleichheit von 88vier und ALEX, was paradox wäre, wenn man bedenkt, warum die 88vier ins Leben gerufen wurde. Hiermit würden die Gruppen, die nicht auf ALEX senden wollen, klar benachteiligt. (Zudem: dass der Offene Kanal Programme anderer Radios übernimmt, anstatt eigenes Programm zu generieren/fördern, entspricht nicht seinem Auftrag.)

Wir bitten Sie, ein sowohl zugangsoffenes, als auch hörerorientiertes, redaktionell arbeitendes, alternatives Radio für Berlin und sein Umland zuzulassen. Das 88vier-Konzept muss dafür grundlegend umgestaltet werden. Unsere Vorschläge:

Vorschlag 1: Community-Radio-Bereich

Die Programmzeiten von ALEX werden ausgeweitet, damit alle Gruppen, die momentan ALEX-Programm produzieren, dort Platz finden. Wir schlagen ein tägliches Sendefenster von 6:00 Uhr früh bis 17 Uhr vor.

Von täglich 17 Uhr bis 24 Uhr wird ein Community Radio-Fenster eingerichtet für all die Gruppen, die bereit sind, sich intern nach demokratischen Prinzipien mit den anderen Partnern über Sendezeiten abzustimmen (basierend auf ihrem realen Programm). Dadurch ist die Flexibilität gewährleistet, um den Hörern ein redaktionell betreutes und entsprechend attraktiveres Programm anbieten zu können.

Die Sendezeiten von 0.00 bis 6:00 Uhr, also in der Nacht, werden extra vergeben. Unser Vorschlag: sie werden vom Community-Radio-Bereich koordiniert und können von allen, also auch den ALEX-Sendemachern, genutzt werden.

Vorschlag 2: Community-Radio-Frequenz

Die optimale Lösung für alle Beteiligten wäre: Sie schaffen für Community Radio eine eigene, selbstverwaltete Frequenz - z.B. als einjähriges Pilotprojekt zu Testzwecken auf 99,1 MHz.

  • Aus technischer Sicht spricht nichts gegen die 99,1 MHz. Die Frequenz wurde über 5 Monate lang als Veranstaltungsradio getestet und jeweils ohne Beanstandungen von der Bundesnetzagentur abgenommen.
  • Wir würden für einen 99,1-Sendebetrieb keinerlei Förderungen (technisch oder finanziell) von Ihnen benötigen. Einzig der Status "nichtkommerzielles Radio" wäre für uns wichtig, um unter die GEMA-Vereinbarung der ALM zu fallen.
  • Die 88vier könnte dann vom Offenen Kanal allein genutzt werden, inklusive Ausbildungs- und Medienkompetenzprojekten sowie Sendegruppen, die sich nicht intern über Sendezeiten einigen wollen, sondern die einmal im Jahr vergebenen Sendezeiten des Medienrates präferieren.

Die Vorteile eines Community Radios in Kürze zusammengefasst:

  1. Community Radios gewährleisten neben Zugangsoffenheit auch eine Orientierung auf die Hörer - dadurch wird das Programm insgesamt attraktiver.
  2. Community Radios organisieren und verwalten sich selbst, arbeiten redaktionell, Beschlüsse werden demokratisch gefasst.
  3. Community Radios sind ungleich kostengünstiger als bspw. ein Offener Kanal.
  4. Zuletzt eine Referenz: Das EU-Parlament und der Europarat haben bereits 2008 und 2009 die Anerkennung für Community Media in allen Bundesländern ausdrücklich angemahnt.

Vorschlag 3: Mindestanforderungen

Sollten die Optimierungsvorschläge 1 und 2 nicht umsetzbar sein, so bitten wir zumindest, transparente Auswahlkriterien für die Sendezeiten-Vergabe einzuführen und den zukünftigen 88vier-Partnern bestimmte Auflagen zu erteilen. Ob dadurch die 88vier attraktiver wird, bzw. unsere Sendemacher im Ergebnis weiter auf 88vier senden wollen, können wir damit aber nicht garantieren.

a) Die 88vier-Sendezeiten sollten zukünftig nach folgenden Kriterien verteilt werden:

  • Anzahl der Redaktionen/Sendemacher
  • Anzahl an Eigenproduktionen
  • Anzahl an Live-Sendungen
  • Anzahl an Wortmagazinen
  • transparenter und verlässlicher Programmplan
  • Wurde das Sendeversprechen des Vorjahres eingelöst?

b) Die 88vier-Programmpartner sollten zukünftig folgende Auflagen erfüllen:

  • Verbot von Programm- und Musikrotation
  • Verbot von (unmoderierten) Playlists
  • mehrstündige DJ-Sets erst ab 0:00 Uhr
  • Quote von 75 % Eigenproduktionen
  • Moderation der Sendungen

Wenn die Angaben der Antragsteller nicht der Realität entsprechen, bzw. die (eigentlich selbstverständlichen) Auflagen nicht erfüllt werden, muss es in Zukunft möglich sein, die betreffende Sendezeit umgehend Programmveranstaltern übergeben zu können, die diese Auflagen erfüllen und mehr Sendezeit benötigen.

Pi Radio

Kommentare

88,4 = Schrott

Man sollte das gesamte Programm auf die 99,1 verlegen (+ 90,7 in Potsdam) und eine 12/12 Stundenverteilung zwischen OKB- und NKL-Programmen machen, die dann jeweils von ALEX und der Community-Redaktion koordiniert werden.

Zustimmendes Nicken

Ihr trefft den Nagel auf den Kopf.

Die Vorschläge sind zwar noch sehr wage, aber immerhin ein Anfang um das komische Konstrukt 88vier der MABB mal weiter voranzubringen.

Ich bin ja für den Vorschlag 2.

Herbstradio war damals einfach schon weiter, leider musste die MABB (Klub der alten Männer und Frauen in Kopf und Geist) auf den Zug aufspringen um seinen "Offenen Kanal" zu retten, und reisst wieder mal alle anderen die sich gerade freigeschwommen haben, wieder in die Tiefe.

Ansonsten ist es in Zeiten des Internets eh komisch das eine staatliche Behörde kreativ sein will und doch nur Luft verwaltet. Die sollen einfach mal ihre veralteten Medienstaatsverträge aus DDR-Zeiten endlich löschen ;)

Und nun?

Also der MABB hat wohl entschieden, auch wenn (wie immer) nichts davon bei mabb.de zu lesen ist.

Und was wurde aus dem obigen Antrag?

entschieden

es ist noch nichts entschieden. Bisschen Geduld.